Der Roman von Peter Hoeg in der Dramatisierung von Andreas Harwath zum ersten Mal auf einer deutschsprachigen Bühne.
"JETZT AUCH ALS THEATER: FRÄULEIN SMILLAS GESPÜR FÜR SCHNEE IN DER FRANKFURTER KATAKOMBE"
Der Autor Christoph Schröder erkennt:
"Die Welt besteht aus Schnee. Und weil man den nicht in einem Theater ausbreiten kann, ist der gesamte Bühnenraum mit Plastikfolien ausgekleidet. Sie sind multifunktional (die Plastikfolien, Red.): ein Symbol für das ewige Eis; gleichzeitig aber auch, wenn sie über ein Gesicht gestülpt werden, ein Mittel der Unterdrückung und der Beengung."
Und der Autor entdeckt:
"Auf dem Fußboden der mit Kreide gezeichnete Umriss eines kleinen Körpers: Jesaja, der Junge, der sich vom Dach gestürzt hat. Oder ermordet wurde?
Peter Hoegs Roman war ein Weltbestseller . . . In der Katakombe inszenierte nun Carola Moritz Andreas Harwaths Bühnenfassung; eine streng reduzierte, sparsame Inszenierung . . ."
Und der Autor erzählt:
"Smilla, die Tochter einer grönländischen Inuit und eines dänischen Arztes, glaubt nicht an einen Unglücksfall, der den Inuitjungen vom Dach stürzen ließ. Und so stellt sie (Mirjam Tertilt) auf eigene Faust Ermittlungen an und stößt auf allerlei Ungereimtheiten: auf den Pathologen Loyen (Andreas Püst), der Offensichtliches hinter dem Berg hält, auf einen Vertreter der Staatsanwaltschaft, der sie unter Druck setzt, und auf den Leiter einer obskuren Gesellschaft (Birgit Reibel), die immer wieder Expeditionen nach Grönland unternimmt, in deren Verlauf Teilnehmer auf mysteriöse Weise zu Tode kommen."
Und der Autor merkt:
"Der ethnische Konflikt zwischen Inuit und Dänen wird in der Katakombe-Version in einer dezenten Bildersprache in Szene gesetzt. Bahn bricht er sich vor allem in Smillas unbändiger Wut auf Vater, Staat und Welt . . ."
Und der Autor kommt nach einer kleinen
Abschweifung zum Schluss:
". . . Die Bühnenversion von "Fräulein Smilla" ist eine unterhaltsame Kriminalstudie mit mythisch-raunendem Hintergrund . . ."
Ach ja.
FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 12.9.09 / leicht gekürzt.
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Meinung aus dem Publikum:
"Das Bühnenbild + die Komposition sehr gut! Choreographie auch. Großartig, wie die Schauspieler vor allem die Vielfalt der Rollen erfassen u. den langen Atem an Spannung halten. Vielen Dank für diesen Abend . . . "
I. B., Frankfurt, 11.9.09
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"DIE WAHRHEIT VERBIRGT SICH UNTER SCHLEIERN!
. . . Plastikplanen erinnern an das verschneite Kopenhagen und das grönländische Eis. Wie sie miteinander verbunden sind, zeigt sich erst nach und nach: die Plastikplanen auf der Bühne fallen wie Schleier vor der Wahrheit. Sie verhüllen Menschen und deren Motive. Smilla sitzt mal erschöpft in den Planen, mal windet sie sich in ihnen - und entfernt sie allmählich.
Carola Moritz hat Peter Hoegs sozialkritischen Krimi "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" straff, schnörkellos und spannend inszeniert und auch die Bühne mit den Plastikplanen entworfen.
Smilla Jaspersen, Tochter einer Eskimo und eines dänischen Arztes, begibt sich in Gefahr, als sie den Tod eines kleinen Eskimojungen in Kopenhagen aufklären will. Alles deutet zwar darauf hin, dass er vom Dach gefallen ist. Doch Smilla, die den kleinen Jungen sehr gut kannte und im Schnee lesen kann, glaubt nicht an einen Unfall und stellt Nachforschungen an.
Smillas Suche nach der Wahrheit wird in der Katakombe unaufdringlich zu einer Erkundung ihrer eigenen Geschichte, einer Entwurzelung . . .
Mitjam Tertilt spielt Smilla als eigensinnige und einsame, starke Frau, die zwar aus dem kalten Grönland kommt, aber die Welt Kopenhagens als noch viel kälter empfindet . . ."
FRANKFURTER NEUE PRESSE vom 16.9.09
Auch das MAIN-ECHO aus Aschaffenburg war in der Premiere!
"Die Ureinwohner Grönlands haben Dutzende von Begriffen für Schnee: Das ist die Lebenswelt, in der sie bestehen müssen und die permanent Herausforderungen für das Überleben bereit hält . . .
Carola Moritz zeigt in ihrer Inszenierung mit einfachsten Mitteln, auf wie viele Weisen Schnee Leben beeinflussen kann . . .
Dazu bedarf es lediglich Bahnen von Folien, die den Bühnenraum auskleiden. Selten rascheln sie: leiser Laut aufkommenden Ungemachs. Folien können Dinge verbergen . . . Sie können zur Lebensbedrohung werden, indem sie dem Menschen den Atem rauben.
Carola Moritz braucht wahrlich nicht viele Utensilien um den Welterfolg des dänischen Autors plastisch werde zu lassen. Auch ihre Schauspieler - Mirjam Tertilt als Smilla sowie Birgit Reibel und Andreas Püst in Mehrfach-Rollen - machen nur die notwendigsten Worte aus der Vorlage . . . Smilla verliert sich tanzend im Schnee, Smilla keucht hinter der luftdichten Folie um ihr Leben . . .
MAIN-ECHO, Aschaffenburg, vom 15.9.09
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Meinung aus dem Publikum:
"Merkwürdig, wieso war ich noch nie in diesem Theater? Ab heute komme ich immer wieder, wenn ich in dieser Stadt bin."
C.E., München-Perlach, 16.9.09
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UND WIE GEWÖHNLICH: AUCH DIE FAZ HAT EINE MEINUNG UND DRUCKT SIE NACH LÄNGEREM NACHDENKEN AM 8. OKTOBER 2009
"Emotionale Kältestarre - "Fräulein Smilla" in der Katakombe" -
und wir zitieren aus wesentlichen Einsichten:
. . . aus Grönland stammend hat Fräulein Jaspersen nicht nur Gespür für die Signale im Schnee, sie hat auch eine Antenne, ob Minderheiten benachteiligt werden . . . die Inszenierung in der Katakombe durch Carola Moritz widerlegt endgültig das Etikett des Thrillers . . . Das Stück vermittelt ein Gefühl von Eiseskälte, die die Heldin vergleichsweise in der warmen Stadt empfindet. Dabei ist das abweisende Umfeld nicht schuld. Ihre eigenen Isolationstendenzen haben die Heldin in die soziale Katastrophe getrieben. Dabei sind die Aussagen der Ermittler weit weniger brisant als die über ihr Scheitern in einer Welt, in der sie exmatrikuliert wurde, aus jeder Gemeinschaft herausgeflogen ist, keinen Partner hat halten können . . .Verbal folgt das Drama in der Katakombe dem Buch ins ewige Eis, während die mit kühl glitzernden Folienbahnen verhängte Bühne die Blicke effektvoll heruntergekühlt hat und eine emotionslose akustische Grundierung . . . die Erwärmung der Gemüter vermeidet . . .Wo alles derart erstarrt ist, ist ein Aufbegehren als wachhaltender Impuls gefordert . . . Ob Smilla im Knast, in der Anstalt oder in der Gosse endet - keine der Perspektiven kann erwärmen.
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Meinung aus dem Publikum:
. . . herrlich und wunderbar mit einfachen Mitteln gemacht. Weiter so.
E.v.N., Leverkusen
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